Publié le 26 Februar 2026

Rückblick: Fortschritte der erfahrungsorientierten Pädagogik

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Entfaltung durch Natur und gelebte Erfahrung

In der Stiftung Lëtzebuerger Kannerduerf spielt die individuelle erfahrungsorientierte Pädagogik eine zentrale Rolle in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen. Diese Methode richtet sich an junge Menschen, die besondere Unterstützung benötigen, und basiert auf konkreten, oft naturnahen Erfahrungen, die soziale, emotionale und kognitive Kompetenzen fördern. Sie ist zugleich ein Ansatz der Prävention und der persönlichen Emanzipation.

Die erfahrungsorientierte Pädagogik baut auf dem Konzept des „Lernens durch Erfahrung“ auf. Durch anregende Aktivitäten, häufig in der Natur, werden Kinder und Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet. Ziel ist es, Erlebnisse zu schaffen, die reflektiert und analysiert werden können, um daraus neue Erkenntnisse und Verhaltensweisen zu gewinnen. Ein wichtiger Bestandteil besteht darin, eigene Grenzen kennenzulernen – und sie zu überwinden.

Die individuelle Pädagogik wiederum verfolgt einen personalisierten Ansatz mit intensiver Eins-zu-eins-Begleitung, um auf die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen jedes Kindes gezielt eingehen zu können.

Im Jahr 2024 profitierten 29 Kinder und Jugendliche von diesen speziellen pädagogischen Maßnahmen, die durch öffentliche Förderungen und die wertvolle Unterstützung von Partnerstiftungen ermöglicht wurden.

Das Abenteuerhaus und sein Naturgarten – eine inspirierende Transformation

Ein Höhepunkt des Jahres 2024 war die Renovierung des Erlebnis­hauses und die natürliche Umgestaltung des großen Gartens rundherum. Dank des Projekts „Renature“ wurde der Raum so gestaltet, dass er sowohl für erfahrungsorientierte Bildungsaktivitäten als auch als Ort der Ruhe und Selbstreflexion genutzt werden kann.

Der Garten umfasst nun unter anderem Trockenmauern und ein Sandarium, Obstbäume und „Naschecken“, natürliche Lebensräume wie Teiche und Feuchtgebiete, ein Hochbeet-Gemüsegarten und eine Kräuterspirale sowie Blumenwiesen und Insektenhotels.

Diese Gestaltung soll das Bewusstsein für Natur- und Umweltschutz stärken, das Selbstwirksamkeitsgefühl junger Menschen fördern und praktische Fähigkeiten wie Gärtnern und nachhaltiges Handeln vermitteln.

Zwei Leuchtturmprojekte im Jahr 2024

Lëtz Bike: Gemeinsam fahren, zu sich selbst finden
Dieses Sportprojekt richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren. Im Juni 2024 machten die Teilnehmenden eine mehrtägige Fahrradtour quer durch Luxemburg, begleitet von den Erlebnispädagoginnen Kevin Schneider und Marie Roderes.
Neben der körperlichen Herausforderung standen Teamarbeit, Selbstvertrauen und Naturerlebnis im Mittelpunkt. Reflexionsphasen entlang der Strecke gaben den Jugendlichen die Möglichkeit, über das Erlebte nachzudenken und ihr persönliches Wachstum besser zu verstehen.
Die Route – von Mersch nach Lultzhausen über Beaufort und zurück – wurde so gestaltet, dass sie Kooperation fördert, soziale Kompetenzen stärkt und das Selbstwertgefühl der Teilnehmenden steigert.

Go Wild! – Sich selbst übertreffen in der freien Natur
In Anlehnung an den deutschen Kurt-Hahn-Pokal bietet dieses Projekt jungen Menschen zwischen 12 und 21 Jahren einen spannenden Abenteuerwettbewerb. In Teams von etwa vier Personen, begleitet von einem Fachbetreuer, bewältigen sie innerhalb von zwei Tagen verschiedene Outdoor- und Survival-Herausforderungen.
Im Sommer 2024 besiegte die Titelverteidigergruppe vom Schneider Haff erneut das motivierte Team aus Haus 11 und gewann abermals die Trophäe. Ziel des Projekts ist es, die Natur als echten Lernraum zu nutzen, Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen zu stärken und soziale und emotionale Kompetenzen durch Teamarbeit zu fördern.
Eine Aussage eines Teilnehmers zeigt den positiven Einfluss besonders deutlich:
„Am Anfang bekamen wir eine Karte, um unseren Weg zu finden. Dafür gab es mehr Punkte als für GPS oder Auto. (...) Wenn das Ziel auch war, besser als das andere Team zu sein, haben wir uns vor allem gut amüsiert. (...) Besonders toll fand ich die Nachtwanderung – es war stockdunkel, und ich musste allein gehen (...). Ich habe angefangen, mit mir selbst zu sprechen, um mich zu beruhigen. Danach hatte ich keine Angst mehr. Ich würde sofort wieder mitmachen – es war einfach super!“

Solche Erfahrungen fördern Selbstvertrauen, Verantwortungsgefühl, Durchhaltevermögen sowie soziale und emotionale Kompetenzen in realen Situationen.

Schlussfolgerung

Die erfahrungsorientierte individuelle Pädagogik hat sich als starkes Werkzeug der persönlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erwiesen. Sie ermöglicht ihnen, eigene Ressourcen zu entdecken, Selbstvertrauen aufzubauen und prägende Erfahrungen zu sammeln, die sie auf ihrem Lebensweg stärken.

Dank des Engagements der Stiftung Lëtzebuerger Kannerduerf und der Unterstützung ihrer Partnerprojekte konnten 2024 viele junge Menschen nachhaltige Orientierung, prägende Erlebnisse und positive Zukunftsperspektiven gewinnen.