Publié le 14 Januar 2026

TEILNAHME IM ALLTAG

Participation

TEILNAHME IM ALLTAG
― CARMEN CHRISTOPHE & CORINNE BINGEN

DIE ARBEIT DER PÄDAGOGEN IN UNSEREN TAG- UND NACHTGRUPPEN
Die Pädagogen spielen eine zentrale Rolle in der Begleitung von Kindern und jungen Erwachsenen in Obhut. Sie schaffen einen sicheren, strukturierten und wohlwollenden Lebensrahmen, der Entfaltung, Autonomie und Sozialisierung fördert. Ihre Mission ist erzieherisch, pädagogisch und relational, wobei sie die erforderlichen Abstände im Einklang mit dem individuellen Projekt jedes Jugendlichen wahren. Sie handeln transparent, erklären ihre Handlungen, schaffen Vertrauensklima und ermöglichen es jedem Kind und jungen Erwachsenen, den Rahmen und die Struktur des Lebensraums zu verstehen und anzueignen. Sie fördern aktiv die Teilnahme der Kinder und Jugendlichen an Entscheidungen, die sie betreffen: Wahl von Aktivitäten, Organisation des Alltags, Ausdruck von Bedürfnissen und Gefühlen. Sie erhalten familiäre Bindungen, indem sie den Austausch mit Eltern fördern, Treffen mit Geschwistern erleichtern – auch wenn diese in anderen Einrichtungen untergebracht sind – sowie Kontakte zu weiteren Familienmitgliedern wie Großeltern, Tanten oder Onkeln. Durch Zuhören, Präsenz und Kohärenz werden Pädagogen zu stabilen Ankerpunkten, Vermittlern und essenziellen Begleitern in der ganzheitlichen Entwicklung der Jugendlichen auf ihrem Weg zur Autonomie. Sie unterstützen auch den schulischen und beruflichen Werdegang unter Berücksichtigung individueller Stärken und Herausforderungen.

TEILNAHME VON KINDERN UND JUGENDLICHEN


IN UNSEREN LEBENSGRUPPEN
In unseren Lebensgruppen erfolgt die Teilnahme durch Austauschzeiten, Alltagsratsversammlungen, Einzelgespräche und Teamtreffen. Sie äußern Meinungen, treffen Entscheidungen, schlagen Ideen vor und verbalisieren Wünsche und Ängste. Diese Einbindung stärkt Autonomie, Selbstwertgefühl und Zugehörigkeitsgefühl.

AUSDRUCKSRÄUME
In unseren Lebensgruppen schaffen wir konkrete Mittel zur Förderung der Teilnahme an alltäglichen Entscheidungen. Visuelle Listen ermöglichen die Anmeldung zu Stiftungsaktivitäten. Eine Wunschliste steht für Vorlieben bei Menüs oder Freizeitangeboten bereit. Kinder können Ideen oder Bedenken in Gruppenaustauschzeiten äußern oder sich direkt an ihren Referenzpädagogen oder verfügbare Teammitglieder wenden. Dieser Ansatz fördert Zuhören, Respekt vor jeder Stimme und verstärkt die Einbindung ins Gruppenleben. Sie gestalten ihr Zimmer individuell und beteiligen sich an der Dekoration gemeinsamer Räume. Eine Wunschbox bietet Jugendlichen Freiheit, persönliche oder gruppenbezogene Ideen vorzuschlagen.

WÜNSCHE UND KRITIK BEGLEITEN
Pädagogen reagieren auf Wünsche und Kritik mit aktivem Zuhören, Wohlwollen und dialogischer Offenheit. Sie schätzen die Kinderstimme, erkennen Bedürfnisse an und erklären gegebenen Antworten – positiv oder negativ. So fördern sie Ausdruck, stärken gegenseitiges Vertrauen und unterstützen Gruppenbeteiligung bei klarem, gerechtem und beruhigendem Rahmen.

TEILNAHME STRUKTURieren UND ORGANISIEREN


TEILNAHME DURCH SPRACHZEITEN FÖRDERN
Monatlich organisiert sich in unseren Lebensgruppen eine Kinder- und Jugendversammlung zur aktiven Teilnahmekultur. Diese kollektive Austauschzeit ermöglicht Äußerung von Ideen, Wünschen, Bedürfnissen oder Bedenken zum Wohnheim- oder Stiftungsalltag. Jugendliche schlagen Aktivitäten vor, besprechen Organisation oder teilen Gefühle in wohlwollendem, respektvollem Rahmen. Pädagogen moderieren und begleiten, sprechen Themen an, holen Meinungen ein oder klären Lebensregeln. Dieser Moment fördert Rahmen-Co-Konstruktion, Verantwortungsbewusstsein und stärkt Zuhören-, Vertrauens- und Gruppenzugehörigkeitsgefühl.

RECHTE- UND PFLICHTENGLAUBWÜRDIGKEIT SICHERN
In Lebensgruppen garantieren wir devotio-libertas-Balance durch klaren, gerechten, evolutiven Rahmen. Kinder haben Ausdrucks-, Aktivitätswahl- und Entscheidungsf Freiheit unter Einhaltung gemeinsamer Lebensregeln. Rechte werden wertgeschätzt, stets mit alters- und fähigkeitsangepassten Verpflichtungen. Pädagogen begleiten bei Verständnis und Aneignung dieses Gleichgewichts, fördern Autonomie und persönliche Entwicklung in strukturiertem, sicherndem Klima.

WIE LÄUFT DAS KONKRET AB?

HERAUSFORDERUNGEN
Verschiedene Faktoren bremsen Teilnahmedynamik. Manchmal bleibt Beteiligung symbolisch: Kinderfragen werden gestellt, doch nicht immer voll umsetzbar. Unerklärte Grenzen erzeugen Frustration oder Desinteresse. Zeit-, Personalmittel- oder Qualifikationsmangel sind wesentliche Hürden. Kommunikation ist entscheidend: Alter/adäquate Information verhindert Ausgrenzungsgefühl. Starre Hierarchien begrenzen Kinderstimme. Authentische Teilnahme braucht sichere Ausdrucks-Räume, konstanten Dialog und Ideenwertschätzung – erfordert wohlwollende, kohärente, rhythmusrespektierende Professionalität.

… UND ERFOLGE
Bei Festvorbereitungen in Lebensgruppen sind Kinder in allen Phasen involviert: Themenauswahl, Deko, Menüplanung, Aktivitätsorganisation. Jeder schlägt Ideen vor, übernimmt Verantwortung, trägt bei nach Lust und Können. Dies stärkte Gruppenkohäsion, Selbstvertrauen und Nützlichkeitsgefühl. Zusätzlich entstand pädagogisches Dokument zur Tagesstruktur: mit/con für Kinder konzipiert, schafft Alltagslesbarkeit. Es nennt Schlüsselmomente (Aufstehen, Essen, Schule, Aktivitäten, Freizeit, Schlafenszeit) und kollektiv harmonisierende Repères. Es sichert durch verständlich-vorhersehbare Rahmung, fördert Autonomie. Lebendiges, bedürfnisadaptives Werkzeug für Versammlungs- oder Einzelgespräche. Co-Konstruktion steigert Alltagsaneignung, Implikation, Stabilitätsgefühl und Zukunftsprojektionsfähigkeit.

TEAMEBENE


TEILNAHME ERZEUGT MEHR KOLLABORATION
Teilnahme gilt nicht nur Kindern: Sie prägt Erzieherteams und Stiftungsabteilungen. Pädagogen treffen sich regelmäßig, teilen Beobachtungen, evaluieren Kinderideen, reflektieren Alltagsanpassungen. Kollaborationsdynamik erstreckt sich stiftungsweit über «Kanner a Jugend-Parlament» – Vertreter aller Lebensgruppen/Altersstufen. Konzertierungszeiten lassen Kinderstimmen erklingen, fördern aktive Entscheidungsbeteiligung und Verantwortungsgefühl. Repräsentanten entwickeln kollektive Repräsentationsfähigkeit, Zusammenlebensbewusstsein, erweitertes Verantwortungsgefühl. Schutzdelegierte bieten sicheren Raum für Bedenken/Hilfeanfragen. Transversalität prägt: Pädagogik, Schule, Therapie, Administration kooperieren eng um Kinderbedürfnisse, wertschätzen deren Stimme. Projekte (Aktivitäten, Feste, Ateliers) involvieren Kinder von Planung an – steigern Engagement und Zugehörigkeit.

TEILNAHME DURCH WEITERBILDUNG STÄRKEN
Strukturell fördern Weiterbildung und Supervision Pädagogenkompetenz in aktivem Zuhören, Jugend-Co-Konstruktion, partizipativer Rahmen-Gestaltung. Module behandeln Kinderrechte, wohlwollende Kommunikation – liefern Werkzeuge für Kinderausdruck und Entscheidungsbeteiligung. Teamsupervisionen ermöglichen Praxissicht, Teilnahmeerfahrungsaustausch, Haltungskorrekturen – gewährleisten Teamkohärenz und nachhaltiges Engagement. Fallsupervision analysiert Gruppenalltagstiefen, bietet geschützten Raum für Fragen, Perspektivenkonfrontation, Begleitungsoptionen. Fördert individuell/kollektiven Abstand, ethische Reflexion, professionelle Begleitungsqualität.

ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN


TEILNAHME IN LEBENSGRUPPEN VERTIEFEN
Kontinuierliche Evolution soll Kinder-/Jugendteilnahme vertiefen. Erzieherteams aktualisieren/reinventieren altersübergreifende Werkzeuge. Ziel: kohärente, lebendige Dynamik, bedürfnisadaptiert. Pädagogen diversifizieren Beteiligungsformen nach individuellen Kapazitäten, Wünschen, Rhythmen.

KINDER ALS PROJEKTINITIATOREN FÖRDERN
Kollektiv-evolutiv soll Initiative-Kraft in Gruppenprojekten wachsen: Jugendliche initiieren Events, Ausflüge, Ideen, Wünsche, Ateliers. Fördert Akteur-/Projektträgerrolle zur Stärkung von Selbstvertrauen, Kreativität, Teamfähigkeit in sinnstiftendem kollektivem Rahmen. Pädagogische Begleitung sichert Durchführbarkeit, Sicherheit, Kompetenzwertschätzung. Projekte festigen Gruppenkohäsion und Autonomie in strukturiertem, wohlwollendem Rahmen.